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Was bedeutet KI für uns Menschen?

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KI - Werkzeug oder Wesen?

Von Ralph Landolt, Dipl. Ing. ETH · doziert an Volkshochschulen · engagiert bei Pro Senectute

Kurz gesagt: KI kann uns im Alltag helfen, aber auch für Betrug und täuschend echte Fälschungen missbraucht werden. Heutige KI hat kein Bewusstsein und ist ein Werkzeug kein Wesen. Trotzdem gilt es Risiken zu beachten.

 

Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nichts über künstliche Intelligenz hören. ChatGPT schreibt Texte, KI erstellt täuschend echte Bilder und plötzlich können sogar Stimmen von bekannten Personen nachgemacht werden.

Gleichzeitig lesen wir Warnungen: KI könnte unsere Arbeitswelt auf den Kopf stellen. Sie könnte für Betrügereien missbraucht werden. Und manche befürchten sogar, dass künstliche Intelligenz irgendwann für uns Menschen gefährlich werden könnte.

 

Müssen wir vor KI Angst haben?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zuerst etwas verstehen, das in vielen Diskussionen über künstliche Intelligenz untergeht. Es gibt nämlich verschiedene Arten von KI.

Und wenn du diesen Unterschied kennst, kannst du vieles, was du über KI hörst und liest, besser einordnen. Nicht jede künstliche Intelligenz kann alles: Stell dir einen Schachcomputer vor. Der kann hervorragend Schach spielen. Wahrscheinlich viel besser als du und ich. Aber bitte ihn einmal, einen Brief an deine Krankenkasse zu schreiben. Das kann er nicht.

ChatGPT wiederum kann dir beim Schreiben dieses Briefes helfen. Dafür kann es nicht dein Auto fahren. Und ein selbstfahrendes Auto kann von A nach B fahren ohne Fahrer hinter dem Steuer. Dafür schreibt es dir keinen Brief und spielt auch nicht mit dir Schach.

All das sind Beispiele für sogenannte schmale künstliche Intelligenz. Das Wort "schmal" tönt vielleicht etwas nach "nicht besonders schlau". Das ist aber nicht gemeint: Eine solche KI kann in ihrem Bereich unglaublich leistungsfähig sein. Sie ist aber auf bestimmte Aufgaben und Fähigkeiten beschränkt.

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Alles, was wir heute im Alltag als KI kennen, gehört zu dieser schmalen KI. Auch ChatGPT und andere bekannte KI-Programme.

 

Und was wäre dann eine allgemeine KI?

Vielleicht hast du schon Filme gesehen, in denen Computer oder Roboter ähnlich wie Menschen denken und handeln. Sie lernen selbstständig neue Dinge, lösen ganz unterschiedliche Probleme und treffen eigene Entscheidungen. Das kommt der Vorstellung einer allgemeinen künstlichen Intelligenz näher.

Eine solche KI wäre also nicht nur für bestimmte Aufgaben geeignet. Sie könnte sich in ganz unterschiedlichen Situationen zurechtfinden und Neues lernen.

Nehmen wir wieder unseren Schachcomputer. Setzen wir ihn mitten in der Wüste ab, bringt ihm seine Fähigkeit, hervorragend Schach zu spielen, herzlich wenig.

Ein Mensch würde dagegen versuchen, die Situation zu verstehen: Wo bin ich? Wo finde ich Wasser? Wie komme ich hier weg? Er würde sein vorhandenes Wissen auf eine völlig neue Situation anwenden.

Eine allgemeine KI müsste eine vergleichbare Vielseitigkeit besitzen. Eine solche allgemeine künstliche Intelligenz gibt es heute nicht. Ob und wann es sie geben wird, kann niemand zuverlässig sagen.

 

Lieber anschauen statt lesen?

Im Video "Was bedeutet KI für uns Menschen?" erklären wir den Unterschied zwischen schmaler und allgemeiner künstlicher Intelligenz ganz einfach. Und wir zeigen dir, warum ausgerechnet ein Hammer dabei hilft, die Gefahren von KI besser zu verstehen.

 

Warum uns KI Angst machen kann

Das Problem ist: Wenn wir den Begriff "Künstliche Intelligenz" hören, vermischen sich diese verschiedenen Vorstellungen schnell in unserem Kopf. Wir lesen beispielsweise, dass jemand mit KI ein täuschend echtes Bild erstellt hat. Gleichzeitig denken wir an Maschinen aus Science-Fiction-Filmen, die plötzlich einen eigenen Willen entwickeln.

Dabei ist das nicht dasselbe. Denn die künstliche Intelligenz, die wir heute benutzen, will selbst gar nichts: ChatGPT sitzt nicht irgendwo auf einem Computer und denkt sich: "So, heute verbreite ich ein paar Fake News und morgen kümmere ich mich um die Weltherrschaft."

KI hat keine solchen eigenen Pläne oder Absichten. Und damit kommen wir zu einer zweiten Unterscheidung, die viele besonders hilfreich finden: Die heutige KI ist kein Wesen. Sie ist ein Werkzeug.

 

Was ein Hammer mit künstlicher Intelligenz zu tun hat

Nehmen wir einen Hammer. Mit einem Hammer kannst du einen Nagel in die Wand schlagen. Sehr praktisch. Du kannst mit demselben Hammer aber auch einen Menschen verletzen.

Ist ein Hammer also gefährlich? Er kann es sein.

Aber ist der Hammer böse? Natürlich nicht.

Denn der Hammer entscheidet nicht, was mit ihm gemacht wird. Der Mensch entscheidet, wie er ihn benutzt.

Bei künstlicher Intelligenz ist es ähnlich: Natürlich ist KI sehr viel komplexer und mächtiger als ein Hammer. Aber eine Frage hilft uns bei beiden: Wer hat die Absicht?

 

Die wirkliche Gefahr von KI begegnet uns schon heute

Schauen wir uns ein Beispiel an, das für uns alle relevant ist: Mit KI kann heute jemand ein Foto erstellen, das täuschend echt aussieht. Eine Stimme lässt sich nachmachen. Auch Videos können manipuliert oder komplett künstlich erzeugt werden. Das kann für Betrügereien oder Fake News eingesetzt werden.

Stell dir vor, du bekommst einen Anruf und hörst die Stimme eines Familienmitglieds. Die Person sagt, sie sei in Schwierigkeiten und brauche dringend Geld. Die Stimme klingt echt.

Nur: Dein Familienmitglied hat nie angerufen. Jemand hat seine Stimme mithilfe von KI imitiert. Dieser Jemand ist aber ein Mensch, kein Computer.

 

Hinter KI-Betrug steckt letzlich ein Mensch

Es lohnt sich also, genau hinzuschauen:

  • Wer wollte dich täuschen? Ein Mensch.
  • Wer hat die künstliche Stimme erstellt oder eingesetzt? Ein Mensch.
  • Und wer möchte an dein Geld? Ebenfalls ein Mensch.

Die KI hat nicht eines Morgens beschlossen, dich anzurufen und zu betrügen.

Das ist ein wichtiger Unterschied: KI kann etwas Gefährliches möglich machen, ohne selbst etwas Gefährliches zu wollen. Wie der Hammer, der kann auch gefährlich sein, aber nur durch den Menschen.

Und genau deshalb sollten wir die Gefahren ernst nehmen aber auch nicht gleich in Panik verfallen.

 

Sollten wir KI einfach verbieten?

Nun könnte man sagen: Wenn künstliche Intelligenz für solche Dinge missbraucht werden kann, sollten wir sie einfach verbieten.

Aber machen wir einen Vergleich. Ein Auto ist äusserst praktisch. Gleichzeitig kann ein Auto sehr gefährlich sein. Jedes Jahr werden hunderte Menschen bei Verkehrsunfällen in der Schweiz getötet und zehntausende verletzt.

Trotzdem haben wir Autos nicht verboten - ausser im Kanton Graubünden, wie du hier nachlesen kannst. Stattdessen haben wir Regeln geschaffen.

Wir haben Tempolimits. Wer fahren möchte, braucht einen Führerschein. Wir dürfen nicht betrunken Auto fahren. Und Fahrzeuge müssen bestimmte Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Nicht weil ein Auto böse wäre. Sondern weil wir Menschen mit einem Auto anderen Menschen schaden können.

Vielleicht müssen wir bei künstlicher Intelligenz ähnlich denken:  Welche Regeln brauchen wir? Was soll erlaubt sein und was nicht? Wer ist verantwortlich, wenn mit KI ein Schaden entsteht? Was bringt und KI?

Das sind wichtige Fragen, über die wir als Gesellschaft sprechen müssen.

 

Was bedeutet KI nun für uns?

Künstliche Intelligenz wird nicht einfach wieder verschwinden. Und sie wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich in immer mehr Bereichen unseres Alltags auftauchen. Und es gib viele wertvolle Anwendungen für den privaten Alltag dazu.

Wenn du genau das einmal selbst ausprobieren möchtest, zeigen wir dir in unserem Selbstlern-Kurs "KI im Alltag" Schritt für Schritt, wie du künstliche Intelligenz sinnvoll für dich nutzen kannst. Ganz praktisch und ohne technisches Vorwissen - mit Beispielen, die dir im Alltag wirklich etwas bringen.

Mehr zum Kurs findest du hier unter techtipp.ch/ki-im-alltag.

Deshalb bringt es wenig, KI grundsätzlich zu verteufeln. Genauso wenig macht es Sinn, alles in den Himmel zu loben, wo "KI" draufsteht.

Viel wichtiger ist, dass wir lernen, mit dieser neuen Technik umzugehen.

Das beginnt bei ganz einfachen Fragen: Was bringt es mir? Wo könnte KI mir im Alltag helfen?

Aber auch: Ist dieses Bild wirklich echt? Stammt diese Nachricht tatsächlich von dieser Person? Kann ich dieser Stimme am Telefon vertrauen? Oder versucht gerade jemand, mich zu täuschen?

KI kann auch sehr nützlich sein. Sie kann uns beim Schreiben helfen, komplizierte Dinge erklären, Texte übersetzen oder uns bei einer Reiseplanung unterstützen.

Wir müssen also nicht alle zu KI-Experten werden. Aber es hilft zu verstehen, was diese Technik kann und wo wir genauer hinschauen müssen.

Genau dabei möchten wir dich bei Techtipp unterstützen.

Denn die digitale Welt verändert sich schnell. Und manchmal ist es gar nicht so einfach herauszufinden, welche Neuerung wirklich wichtig ist und was man getrost ignorieren kann.

Mit unserem kostenlosen Techtipp-Newsletter bekommst du regelmässig verständliche und praktische Tipps für deinen digitalen Alltag. Wir zeigen dir beispielsweise, wie du neue Funktionen sinnvoll nutzt, woran du aktuelle Betrugsmaschen erkennst und wo du bei KI, Handy und Internet besser zweimal hinschaust.

Mehr als 10’000 Menschen erhalten unsere Tipps bereits. Wenn auch du digital sattelfest bleiben möchtest, kannst du hier den kostenlosen Techtipp-Newsletter abonnieren. Nach der Anmeldung bekommst du gleich den ersten Tipp zugeschickt.

 

Häufige Fragen zu künstlicher Intelligenz und ihren Gefahren

 

Was ist künstliche Intelligenz einfach erklärt?

Künstliche Intelligenz - kurz KI - bezeichnet Computersysteme, die Aufgaben erledigen können, für die normalerweise bestimmte menschliche Fähigkeiten nötig sind. KI kann beispielsweise Texte erstellen, Sprache erkennen, Bilder analysieren oder Informationen zusammenfassen.

 

Muss ich Angst vor künstlicher Intelligenz haben?

Panik ist nicht angebracht. Trotzdem solltest du die Risiken kennen. KI kann beispielsweise von Menschen für Betrug, Fake News oder täuschend echte Fälschungen eingesetzt werden. Wer weiss, was möglich ist, kann solche Gefahren besser erkennen.

 

Was ist der Unterschied zwischen schmaler KI und allgemeiner KI?

Schmale KI ist auf bestimmte Aufgaben oder Bereiche ausgerichtet. Allgemeine KI würde dagegen sehr unterschiedliche Aufgaben erlernen und sich flexibel auf neue Situationen einstellen können. Die KI-Systeme, die wir heute nutzen, gehören zur schmalen KI.

 

Ist ChatGPT eine allgemeine künstliche Intelligenz?

Nein. ChatGPT kann zwar erstaunlich viele unterschiedliche Aufgaben erledigen, ist aber keine allgemeine künstliche Intelligenz mit einem eigenen Willen oder eigenen Absichten.

 

Kann KI einen eigenen Willen entwickeln?

Die KI-Systeme, die wir heute verwenden, haben keinen eigenen Willen und keine eigenen Wünsche oder Pläne. Ob zukünftige Systeme einmal Fähigkeiten entwickeln, die einer allgemeinen künstlichen Intelligenz entsprechen, lässt sich heute nicht zuverlässig vorhersagen.

 

Wie wird künstliche Intelligenz für Betrug eingesetzt?

Betrüger können KI beispielsweise verwenden, um glaubwürdige Texte zu schreiben, Bilder zu fälschen oder Stimmen nachzuahmen. Dadurch können betrügerische Nachrichten und Anrufe überzeugender wirken. Bei ungewöhnlichen Geldforderungen oder dringenden Nachrichten solltest du deshalb besonders vorsichtig sein.

 

Wie kann ich mich vor KI-Betrug schützen?

Vertraue nicht allein darauf, dass ein Bild, Video oder eine Stimme echt wirkt. Prüfe ungewöhnliche Nachrichten über einen zweiten Weg. Ruft beispielsweise angeblich ein Familienmitglied an und verlangt dringend Geld, beende das Gespräch und rufe die Person über die dir bekannte Telefonnummer selbst zurück. Und ganz wichtig: Lass dich nicht unter Zeitdruck setzen.

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