Überraschende Gemeinsamkeiten von Autoverbot und KI
Neue Apps, neue Handys, künstliche Intelligenz: Manchmal scheint sich die Technik schneller zu entwickeln, als wir mithalten können. Doch dieses Gefühl ist erstaunlich alt. Schon unsere Urgrosseltern erlebten einen Technologieschub, der für Begeisterung, aber auch für grosse Verunsicherung sorgte. In Graubünden ging die Skepsis sogar so weit, dass Autos während 25 Jahren verboten waren.
Ein Blick zurück zeigt, warum neue Technologien uns oft Angst machen und warum wir uns mit der Zeit trotzdem an sie gewöhnen.
Technikstress gab es schon vor 150 Jahren
Ende des 19. Jahrhunderts kamen innerhalb relativ kurzer Zeit zahlreiche Technologien auf, die den Alltag grundlegend veränderten: Autos fuhren über die Strassen, Züge mit ungewohnten Geschwindigkeiten durchs Land, Telefone ermöglichten Gespräche über grosse Distanzen und elektrisches Licht begann, die Petroleumlampen abzulösen.
Was heute selbstverständlich klingt, war damals neu und teilweise beängstigend: Autos waren laut, wirbelten Staub auf und konnten Menschen und Tiere gefährden. Auch hohe Geschwindigkeiten im Zug sorgten für Bedenken. Selbst elektrischer Strom war vielen Menschen zunächst nicht geheuer. Das Gefühl dahinter kennen wir bis heute: Die Technik entwickelt sich und wir fragen uns, ob das alles nicht etwas zu schnell geht.
Das erste elektrische Licht der Schweiz leuchtete im Engadin
Einer, der von der neuen Technik begeistert war, war der Engadiner Hotelier Johannes Badrutt. 1878 besuchte er die Weltausstellung in Paris und sah dort zum ersten Mal in seinem Leben elektrisches Licht.
Badrutt wollte diese technische Neuheit auch in seinem Kulm Hotel im Engadin einsetzen. Er kaufte eine Turbine und stattete den Ballsaal mit elektrischen Lampen aus. 1879 brannte dort elektrisches Licht zu einer Zeit, als selbst Städte wie Zürich, Bern oder Genf noch nicht entsprechend elektrifiziert waren.
Doch nicht alle teilten die Begeisterung. Strom war unbekannt, und entsprechend gross waren die Sorgen vor Bränden, Kurzschlüssen und anderen Gefahren. Das erinnert durchaus an Diskussionen, die wir heute über künstliche Intelligenz führen: Es war damals für viele nicht so klar, was der Strom wirklich bringt für sie im Alltag und man sah viele Gefahren.
Warum Graubünden Autos verbot
Besonders deutlich wurde die Skepsis gegenüber neuen Technologien beim Auto. Ab 1900 waren Autos auf Bündner Strassen verboten. Heute klingt ein Autoverbot im ganzen Kanton kaum vorstellbar. Damals gab es dafür durchaus nachvollziehbare Gründe: Autos waren eine neue und wenig erprobte Technologie. Sie waren laut, wirbelten Staub auf und stellten auf Strassen, die nicht für motorisierten Verkehr gebaut worden waren, eine neue Gefahr dar.
Im Video erzählen wir die aussergewöhnliche Geschichte des Bündner Autoverbots und zeigen, was sie mit unserem heutigen Umgang mit KI zu tun hat.
Wer damals mit dem Auto Richtung Graubünden unterwegs war, konnte also nicht einfach weiterfahren. Das Fahrzeug musste vor der Einfahrt ins Bündnerland stehen bleiben oder anderweitig weitertransportiert werden. Somit war auch die Zukunft der Fuhrmänner gesichert. Die fürchteten sich nämlich, von den Autos verdrängt zu werden. Das Verbot verschwand keineswegs nach ein paar Monaten wieder.
Neun Abstimmungen über das Autoverbot in Graubünden
Das Autoverbot bestand von 1900 bis 1925. In dieser Zeit beschäftigte die Frage die Bündner Bevölkerung immer wieder. Insgesamt kam es zu neun Volksabstimmungen rund um den motorisierten Verkehr. Das zeigt, wie umstritten das Auto damals war.
Über die Jahre änderte sich jedoch die Wahrnehmung. Die Menschen sahen Autos häufiger, lasen darüber und erkannten zunehmend ihren praktischen Nutzen. Gleichzeitig entwickelte sich die Technik weiter: die Bremsen wurden besser, die Motoren leiser und das Auto wurde stetig verbessert. Hinzu kamen Regeln, welche die Gefahren reduzieren sollten. Führerprüfungen, Tempolimiten und später weitere Sicherheitsvorschriften machten den Strassenverkehr berechenbarer und sicherer. 1925 wurde das Autoverbot im Kanton Graubünden durch eine Volksabstimmung schliesslich aufgehoben.
Was das Autoverbot mit künstlicher Intelligenz zu tun hat
Natürlich sind Auto und künstliche Intelligenz zwei völlig unterschiedliche Technologien. Trotzdem gibt es eine interessante Gemeinsamkeit: Unsere Einschätzung einer Technologie hängt stark davon ab, wie vertraut sie uns ist: Beim Auto denken die wenigsten Menschen jedes Mal über die Technologie und ihre Risiken nach. Wir steigen ein und fahren los. Dabei gibt es im Strassenverkehr weiterhin Unfälle, Verletzte und Tote. Jedes Jahr. Auch in der Schweiz.
Bei künstlicher Intelligenz ist das anders. KI ist für viele Menschen neu und schwer einschätzbar. Entsprechend schnell entsteht ein mulmiges Gefühl. Das bedeutet nicht, dass wir mögliche Gefahren ignorieren sollten. Im Gegenteil: Die Geschichte des Autos zeigt, dass Skepsis gegenüber einer neuen Technologie durchaus berechtigt sein kann. Entscheidend ist, was wir daraus machen.
Neue Technik weder blind feiern noch grundsätzlich ablehnen
Beim Auto hat die Gesellschaft mit der Zeit gelernt, mit den Risiken umzugehen. Die Technologie wurde verbessert, gleichzeitig entstanden Gesetze und Sicherheitsregeln. Bei künstlicher Intelligenz erleben wir einen ähnlichen Prozess. KI-Anwendungen werden weiterentwickelt, Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen und Regeln für ihren Einsatz diskutiert und eingeführt.
Wir müssen deshalb nicht jede neue Technologie sofort begeistert übernehmen. Sie reflexartig abzulehnen, nur weil sie ungewohnt ist, hilft aber genauso wenig.
Eine nützlichere Frage lautet:
Was bringt mir diese Technologie konkret in meinem Alltag und wo muss ich aufpassen?
Genau nach diesem Prinzip beschäftigen wir uns bei Techtipp. Wir zeigen dir praktische Anwendungen, erklären neue Entwicklungen verständlich und weisen auch darauf hin, wo Vorsicht angebracht ist. Mehr dazu mit vielen praktischen Beispielen und Tipps hier: KI im Alltag.
Die Angst vor neuer Technik ist nichts Neues
Vielleicht hilft beim nächsten grossen KI-Hype also ein Blick zurück. Was für uns heute selbstverständlich ist, konnte für frühere Generationen bedrohlich wirken. Unsere Urgrosseltern mussten erst lernen, mit Autos, Strom, Telefon und Eisenbahn umzugehen. Wir müssen heute unseren Umgang mit KI und anderen digitalen Technologien finden.
Dabei braucht es weder Technikbegeisterung um jeden Preis noch Angst vor allem Neuen. Und wer weiss: Vielleicht werden unsere Enkel eines Tages auf unsere heutige KI-Debatte ähnlich zurückblicken, wie wir heute auf das Autoverbot in Graubünden.
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Häufige Fragen zu Autoverbot, Technik und künstlicher Intelligenz
Gab es in der Schweiz wirklich ein Autoverbot?
Ja. Im Kanton Graubünden waren Autos ab 1900 grundsätzlich verboten. Das Verbot blieb mit verschiedenen Entwicklungen und Abstimmungen bis 1925 ein wichtiges politisches Thema.
Warum waren Autos in Graubünden verboten?
Viele Menschen empfanden die ersten Autos als laut, gefährlich und störend. Sie wirbelten Staub auf und trafen auf Strassen und Verkehrsverhältnisse, die ursprünglich nicht für motorisierte Fahrzeuge ausgelegt waren. Zudem bedrohten sie das damalige Fuhrgewerbe mit Pferden und waren eine Konkurrenz für die Bahn.
Wann wurde das Autoverbot in Graubünden aufgehoben?
Das Bündner Autoverbot endete 1925. Zuvor hatte die Bevölkerung mehrfach über den Umgang mit Autos und motorisiertem Verkehr abgestimmt.
Warum haben Menschen Angst vor neuen Technologien wie KI?
Neue Technologien bringen Unsicherheit mit sich. Es ist uns als erstes mal gar nicht klar: "Was bringt's mir persönlich?". Auch kennen wir die Auswirkungen noch nicht vollständig und können Risiken schwer einschätzen. Ähnliche Reaktionen gab es bereits bei früheren technologischen Neuerungen wie Autos, Strom, Telefon oder Eisenbahn.
Ist künstliche Intelligenz vergleichbar mit der Einführung des Autos?
Die Technologien selbst sind sehr unterschiedlich. Vergleichbar ist aber die gesellschaftliche Reaktion: Eine neue Technologie bietet Chancen, bringt gleichzeitig Risiken mit sich und benötigt Zeit, Weiterentwicklung und sinnvolle Regeln, bis sie selbstverständlich in den Alltag integriert werden kann.
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